In seinem Informatikunterricht soll schon mal ein Flugzeug virtuell in eine Moschee gestürzt sein - jetzt unterrichtet der Auerbacher Pädagoge Kinder in Glaubensfragen. Das löst Protest aus.

 
Auerbach.

Knut Kirsten ist nicht nur Sachgebietsleiter im Auerbacher Rathaus (unter anderem für Schulen), sondern auch Katholik. Als Gemeindeglied äußert er sich zu neuem Zwist um den Pädagogen und AfD-Politiker Tilman Matheja: Der Lehrer ist seit Schuljahresbeginn als katholischer Religionslehrer für die Klassenstufen 8 bis 10 in Auerbach und Falkenstein zuständig, unterrichtet in kirchlichen Räumen. "Die Begeisterung darüber hält sich sehr in Grenzen", sagt Kirsten. "Zahlreiche Eltern sind damit nicht einverstanden." Auch Kirsten selbst hat ein Problem mit Matheja, dabei lehnt er nicht per se alle AfD-Mitglieder ab. Matheja sei jedoch "ein besonderer Fall", er habe "eine Grenze überschritten", sagt Kirsten.

Kirsten bezieht sich konkret auf einen "Freie-Presse"-Bericht vom März, wonach Matheja nicht einschritt, als in seinem Informatik-Unterricht Schüler ein Gewalt verherrlichendes Spiel programmierten: Sie ließen demnach ein Flugzeug virtuell in eine Moschee stürzen. Matheja soll sogar geholfen haben, die Szene realistisch zu gestalten. Der Lehrer selbst äußerte sich zunächst gar nicht, spricht jetzt auf Anfrage von "falschen Anschuldigungen". Das Landesamt für Schule und Bildung hält sich auch nach einem halben Jahr "aus Datenschutzgründen" bedeckt und teilt nicht mit, ob und welche dienstrechtlichen Konsequenzen es gab.

"Ich hätte mir von meiner Gemeinde hier größere Sensibilität gewünscht", sagt Kirsten. Er wisse von mehreren katholischen Eltern, die ihre Kinder lieber zum evangelischen Religionsunterricht schicken wollten, als sie von Matheja unterrichten zu lassen. Außerdem gebe es "viel Schriftverkehr" Richtung Bistum Dresden-Meißen. Das Bistum ist beim Religionsunterricht zuständig für die Einhaltung der Lehre.

Eine katholische Mutter aus Auerbach (Name ist der Redaktion bekannt) hat einen Brief ans Bistum geschrieben, den bisher ein knappes Dutzend Eltern unterzeichnet hat. Sie will anonym bleiben, um "familiäre Diskussionen" zu vermeiden. Im Brief verweist sie nicht nur auf die virtuelle Moschee-Attacke, sondern auch auf Mathejas Facebook-Seite. Dort teilt er etwa einen Artikel, in dem Papst Franziskus unter anderem wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen scharf attackiert wird. Man solle den Papst "nicht ernst nehmen", wird empfohlen. So etwas findet die Auerbacherin für einen katholischen Religionslehrer äußerst befremdlich. Generell bezweifelt sie, dass AfD-Mann Matheja Werte wie Nächstenliebe und Toleranz vermitteln könne.

Das Bistum Dresden-Meißen teilt mit, man habe noch nicht abschließend klären können, ob Matheja als Religionslehrer tragbar sei. Gegen die Vorwürfe in Sachen "Moschee-flug" setze er sich nach eigenen Angaben mit Rechtsmitteln zur Wehr. Solange es kein ihn belastendes Urteil gebe, könne man ihm den Einsatz als Religionslehrer nicht verwehren. Ansonsten werde man gemeinsam mit der Schulbehörde Mathejas Lehrtätigkeit "einer verstärkten Aufsicht" unterziehen und insbesondere Kritik von Eltern sorgfältig prüfen, verspricht das Bistum.

Ob es je ein Urteil in Sachen Matheja geben wird, ist zweifelhaft: Die Frage, gegen wen er in dem Fall juristisch vorgeht und wo ein solches Verfahren anhängig sein soll, ließ der Pädagoge unbeantwortet. Gegen "Freie Presse" hat er bisher keine rechtlichen Schritte eingeleitet.

Matheja erklärt zum Protest, grundsätzlich nehme er Sorgen von Eltern "sehr ernst". Allerdings frage er sich, warum die betreffenden Eltern "nie das klärende Gespräch über die falschen Anschuldigungen mit mir gesucht haben".

"Wozu?", meint die erwähnte Mutter. "Seine Positionen sind bekannt - er müsste höchstens aus der AfD austreten, aber das wird er wohl nicht tun." Ansonsten sei solch ein Gespräch "verlorene Lebenszeit".