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Vogtländische Informations- und Dokumentationsstelle Psychoszene / Esoterik




Saft, Gunnar / Die arme Kirche und das neue Sachsensofa / 17.01.2019. - 15:54 / PUBLIC / Druck beenden



Ist das neue Sachsensofa illegal?

Saßen schon mal öffentlich Probe: CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer (r.) und Bischof Heinrich Timmerevers. © Staatskanzlei

Mit dem Möbelstück will die katholische Kirche zum Dialog aufrufen. Dafür ließ sie die Couch neu beziehen - mit Fördermitteln und ohne Genehmigung.

Dresden. Es ist ein sehr ausgefallenes Möbelstück und seit Tagen wird darüber heftig diskutiert: das neue Sachsensofa.

Für Wirbel sorgte zunächst aber erst einmal das gleichnamige Veranstaltungsformat, mit dem die katholische Kirche im Freistaat ihren Teil zu den mittlerweile ausufernden Dialogveranstaltungen beitragen will, die sich alle den komplizierten Themen unserer Zeit widmen – von der west-ostdeutschen Geschichte bis zur Streitkultur bei Politik- und Flüchtlingsthemen.

So weit so gut. Zum Verhängnis wurde den Planern des Talkformats aber nicht nur ein 90.000-Euro-Zuschuss aus dem Fördertopf „Weltoffenes Sachsen“, der zwar zu einem Teil der angedachten Themen passt, aber eben nicht zu allen. Noch schlimmer wurde es, als herauskam, wer alles auf dem Sachsensofa sitzen soll – oder besser, für wen bisher kein Platz reserviert ist. Für die auf sechs Veranstaltungen ausgelegte Gesprächsreihe lud die Kirche ausschließlich politische Würdenträger von CDU und SPD ein. Also den Parteien, die sich in Sachsen seit vier Jahren die Regierungsmacht teilen. An jene Parteien, die seit vier Jahren dagegen opponieren, hatte man nicht gedacht. Und das im Landtagswahljahr. Kein Schelm, der sich nichts Böses dabei denkt.

Und als gäbe es deswegen nicht schon genug Kritik, bekommt es die Kirche nun mit einem Problem zu tun, welches das teure Möbelstück selbst betrifft. Das ziert nämlich mit gleich mehreren sächsischen Staatswappen ausgerechnet jenen Teil der freistaatlichen Insignien, die gesetzlich besonders geschützt sind. In dem Fall durch die Wappenverordnung. Jegliche Verwendung – außer zu künstlerischen und wissenschaftlichen Zwecken – bedarf vorab der Genehmigung durch die Staatskanzlei. Wie schnell man bei Verstößen in die Bredouille kommt, musste einst schon ein sächsischer Justizminister sowie ein Fraktionschef im Landtag erfahren. Der eine, weil er unerlaubt das Wappen auf seiner im Privatgarten gehissten Fahne nutzte. Der andere, weil er es sich auf einen Firmenwagen kleben ließ. 

Eine Anfrage zur Genehmigung einer Nutzung des Wappens auf dem Sachsensofa, das räumte die Staatskanzlei am Mittwoch ein, wurde von der zuständigen Katholischen Akademie bisher aber nicht gestellt. Der Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit ist damit erfüllt. Nachdem aber auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) das Sachsensofa bereits „besessen“ hat, kündigte die Staatskanzlei fürsorglich ihren Segen an, sollte die notwendige Anfrage noch gestellt werden. In dem Fall würde man zustimmen, teilte die Regierungszentrale mit, da man angesichts des gewählten Musters auf dem Sofabezug von einer künstlerischen Verwendung ausgeht. Wie der Zufall es will, traf zehn Minuten später die Antwort der ebenfalls angefragten Katholischen Akademie ein. Sie war zum Verwechseln ähnlich. Einen Antrag habe man nicht gestellt, weil es sich aus Sicht der Akademie um ein „künstlerisch gestaltetes Element“ handelt. Nun passte alles zusammen.

Dafür wartete die Akademie mit interessanten Details auf. Man habe das Sachsensofa für 200 Euro gebraucht gekauft und für weitere 1.114 Euro bei der Firma Traumkonzepte und einer Polsterei neu gestalten und beziehen lassen. Und ja, für diese Kosten habe man eine Förderung beantragt. Durchklingen ließ die Akademie aber auch, dass man aus der Sache gelernt hat. Tatsächlich gab es nach SZ-Informationen bereits Kontakt zur wütenden Opposition. Gut möglich, dass bald verkündet wird, dass diese nun auch auf dem Sachsenwappen..., äh, Sachsensofa Platz nehmen darf.


08.01.2019 11:53 Uhr

Was wollen die Katholiken mit dem Sachsensofa?

Bischof Heinrich Timmerevers und Ministerpräsident Michael Kretschmer stellten das Sachsensofa vor. © Sächsische Staatskanzlei

Mit einer ungewöhnlichen Aktion soll die politische Debatte aufs Land geholt werden. Die Opposition spricht von Vorwahlkampf.

Dresden. Die katholische Kirche startet ein eigenes Dialogformat. Das Bistum Dresden-Meißen lädt ab nächster Woche zu Gesprächen auf dem „Sachsensofa“ ein. Sechs Termine sind geplant – vor allem in kleineren Gemeinden unter 5.000 Einwohnern, sagte Thomas Arnold, der Direktor der Katholischen Bildungsakademie. 

Jeweils zwei bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft nehmen auf dem Sofa Platz und sollen mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Am 17. Januar diskutieren Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt und der ehemalige Innenminister Heinz Eggert (beide CDU) in Seifhennersdorf darüber, was die Friedliche Revolution und die Wiedervereinigung den Sachsen gebracht hat.

Am 17. Januar sind der ehemalige Innenminister Heinz Eggert und Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt (beide CDU) in Seifhennersdorf zu Gast. ©  dpa

„Es ist eine gute Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagte Bischof Heinrich Timmerevers. Zu den eingeladenen Gästen gehören der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der Politik-Professor Werner Patzelt, der Fernsehdirektor des WDR, Jörg Schönenborn, und die ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Diskutiert wird unter anderem über die Funktionsweise des Politikbetriebes, Lobbyarbeit in den Parlamenten, Sicherheits- und auch Umweltpolitik.

Vertreter der Opposition kritisierten die Reihe. Es wurden nur Politiker von CDU und SPD eingeladen. Außerdem wird das „Sachsensofa“ mit 90 000 Euro aus dem Programm „Weltoffenes Sachsen“ gefördert. „Wenn nur hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von CDU und SPD bei den Veranstaltungen auftreten können, muss ich zu dem Schluss kommen, dass sich diese Parteien Veranstaltungen im Vorwahlkampf aus Mitteln der Staatsregierung bezahlen lassen“, sagt Katja Maier (Grüne). Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt sagte, „der Sinn des Etats für ,Weltoffenes Sachsen‘ besteht nicht darin, dass die katholische Kirche zusammen mit den Mächtigen von heute und gestern ein Podium auf dem Land finanziert bekommt.“

Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte bei der Vorstellung des Programms dafür plädiert, Oppositionspolitiker einzubinden. (SZ/dpa)

https://www.saechsische.de/plus/ist-das-neue-sachsensofa-illegal-5020932.html




Bibliographie

SZO 10.01.2019 / https://www.saechsische.de/plus/ist-das-neue-sachsensofa-illegal-5020932.html


Edition VIKAS 2006-/FEPA V 2.1-