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Vogtländische Informations- und Dokumentationsstelle Psychoszene / Esoterik




Lose, Eckart und Wehner, Markus / Über die Sehnsucht nach Heilsbringern / 17.01.2019. - 16:28 / PUBLIC / Druck beenden


Guttenberg, Schulz und Merz : Wie wird man Erlöser?

Guttenberg, Schulz und Merz sind grundverschieden, haben aber alle drei einen kometenhaften Aufstieg – und zwei einen ebensolchen Abstieg – in der politischen Arena hingelegt, der so erstaunlich wie erklärungsbedürftig ist. Über die Sehnsucht nach Heilsbringern.

 

 

Am 9. November 2007 wurde in Deutschland das iPhone eingeführt. Ein Jahr später fingen die Menschen nicht nur an, sich an die beispiellose Beschleunigung ihres Lebens durch die Allgegenwart eines Internetzugangs zu gewöhnen und an die blitzschnelle Meinungsbildung über soziale Medien, sondern die CSU bekam einen neuen Generalsekretär. Das war am 30. Oktober 2008. Der 36 Jahre alte Mann hieß Karl-Theodor zu Guttenberg. Später sollte der einstige Außenminister Joschka Fischer über den kometenhaften Aufstieg Guttenbergs sagen: „Eine Karriere scheinbar aus dem Nichts. Der erste deutsche Spitzenpolitiker der Twitter- und Facebook-Generation.“ Nach gut zwei Jahren, in denen Guttenberg wie selbstverständlich zugetraut wurde, Bundeskanzler zu werden, stürzte das politische Traumschloss – vordergründig wegen einer gefälschten Doktorarbeit – in sich zusammen.

Die Sache sollte kein Einzelfall bleiben. * Keine sechs Jahre später schoss der nächste Superstar „scheinbar aus dem Nichts“ in den deutschen Politikhimmel. Am 24. Januar 2017 wurde der bis dahin nur als Europapolitiker erfahrene und bekannte Sozialdemokrat Martin Schulz überraschend zum Kanzlerkandidaten der SPD für die Wahl im September ausgerufen. Zwei Monate später wählten die Delegierten eines Parteitags ihn mit hundert Prozent der Stimmen – dem besten Ergebnis der Nachkriegszeit – zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten. Ganze sechs Monate später hatte Schulz einen weiteren Nachkriegsrekord in seinem Lebenslauf: das schlechteste Ergebnis, das die SPD bei einer Bundestagswahl erzielt hatte.

18 Stimmen entschieden über Merz' Zukunft

Gerade läuft das dritte Experiment eines politischen Superaufstiegs „scheinbar aus dem Nichts“. Der Ausgang steht noch nicht fest, es sind allerdings Tendenzen zu erkennen. Dieses Mal ging alles noch schneller. Am 29. Oktober dieses Jahres ließ das CDU-Mitglied Friedrich Merz das Gerücht verbreiten, er wolle sich um die Nachfolge seiner langjährigen Gegnerin Angela Merkel im CDU-Parteivorsitz bemühen. Eineinhalb Monate später scheiterte dieser Versuch. Wenn noch weitere 18 der 999 abgegebenen Delegiertenstimmen auf dem Hamburger Parteitag für Merz und gegen Mitbewerberin Kramp-Karrenbauer abgegeben worden wären, wäre er gewählt gewesen. Wiederum knapp zwei Wochen später steht Merz ohne Partei- und Regierungsamt da.

Spätestens mit dem Aufstieg der Grünen kam der Begriff des nachhaltigen Wachstums in Mode. Für verschiedene Inhalte wurde er verwandt, vor allem für wirtschaftliches Wachstum und die Umweltpolitik. Nur auf einem Gebiet musste die Politik erst lernen, wie unabdingbar nachhaltiges Wachstum für Stabilität ist: bei sich selbst. Während politische Eichen wie Wolfgang Schäuble zwar von vielen Deutschen lange Zeit als kanzlertauglich angesehen wurden, aber nie Gegenstand von Sehnsüchten oder Heilserwartungen waren, schossen Guttenberg, Schulz und Merz als vermeintliche Erlöser wie Bambushalme in die Höhe. Zumindest von den ersten beiden lässt sich sagen, dass sie nach dem ersten Sturm abgeknickt am Boden lagen. Im Falle von Merz wird man sehen, wie es ausgeht. So unterschiedlich alle drei Politiker sind, die Steilstrecken ihrer politischen Karrieren weisen einige Parallelen auf. Wie also wird man Erlöser?

Der Aufstieg des Freiherrn von und zu Guttenberg zum Star der deutschen Politik, der mit seiner Ernennung zum Wirtschaftsminister Anfang 2009 begann, war vor allem deshalb so phantastisch, weil der CSU-Politiker scheinbar mühelos die unterschiedlichsten Erwartungen erfüllte. Gestandene konservative Politiker aus den Unionsparteien sahen in dem Adligen ebenso eine Heilsfigur wie Frauen. Doch selbst unpolitische Menschen, die den Politiker wöchentlich in Modezeitschriften und bunten Klatschblättern bestaunen konnten, waren begeistert. Jung und gutaussehend, schlank und sportlich, selbstbewusst und reich, brachte Guttenberg Glanz in die matte deutsche Politik. Er schaffte das mühelos im Smoking wie im Rollkragenpulli oder in der Lederhose, mal als scheinbar intellektueller Kosmopolit, mal als fränkischer Patriot im Bierzelt. Entscheidend war immer die Attitüde, anders zu sein als die anderen Politiker: geradeheraus, nur der Wahrheit verpflichtet, unabhängig und innerlich weit entfernt vom abgehobenen politischen Raumschiff Berlin.

 

Als Glamourpaar in der matten, deutschen Politik

Guttenberg verstand es, Bilder zu erzeugen, die breit in die Bevölkerung hineinwirkten. Etwa in der „Opel-Nacht“, als der Wirtschaftsminister allein vor den Mikrofonen die gegenüber der Kanzlerin und den anderen Ministern abweichende Meinung vertrat, dass dem Autobauer eine geordnete Insolvenz zuzumuten sei. Aufsehenerregend auch das Foto im Anzug des Eurofighter-Piloten auf Seite eins der „Bild“-Zeitung, die den Star der deutschen Politik in den siebten Himmel der Popularität zu katapultieren half.

Hinzu kamen viele öffentliche Auftritte mit seiner Frau Stephanie, einer geborenen Gräfin von Bismarck-Schönhausen, die als Ministergattin in Fernsehsendungen half, Kinderschänder im Internet zu überführen, und die mit dem ihr angetrauten Oberbefehlshaber der Bundeswehr zu den deutschen Soldaten nach Afghanistan reiste. KT, wie ihn Freunde nennen, und seine Frau bildeten ein kongeniales Glamourpaar der deutschen Politik, wie man es bisher vor allem aus Amerika bei Barack und Michelle Obama kannte. Sie waren die „fabelhaften Guttenbergs“, wie „Der Spiegel“ sie nannte, der sie schon beim „Paarlauf ins Kanzleramt“ sah. Die Bilderflut setzte sich fort, etwa bei der Einladung des Schauspielers Tom Cruise ins Guttenbergsche Wohnzimmer, den der Verteidigungsminister bewirtete, um sich ein Bild davon zu machen, ob der Hollywood-Star einen passablen Hitler-Attentäter von Stauffenberg abgeben konnte – eine Adelsfamilie, zu der die Guttenbergs Verbindungen hatten.

 

Es ist nur mit der ungeheuren Popularität Guttenbergs zu erklären, dass es ihm gelang, die Wehrpflicht im Handstreich auszusetzen und diesen Schritt einer eigentlich widerstrebenden Union als geniale Idee unterzujubeln. Jahre später, als Annegret Kramp-Karrenbauer – damals noch als Generalsekretärin der CDU – monatelang an der Parteibasis Gespräche führte, stellte sich heraus, dass es dort große Sympathien für die Wiedereinführung der Wehrpflicht oder doch einer allgemeinen Dienstpflicht gibt. Guttenberg hatte überrumpelt, nicht überzeugt. Als Angela Merkel vor zwei Wochen in ihrer letzten Rede als Parteivorsitzende an die Entscheidung zur Aussetzung der Wehrpflicht erinnerte und sich nur wenige Hände zum Beifall regten, bemerkte die Bundeskanzlerin mit leicht ironischem Unterton: „Das Klatschen ist schmaler, als die Mehrheit damals war, als es damals auf dem Parteitag entschieden wurde.“

 

Ein Aufstieg von ganz unten

Guttenberg musste in seiner kurzen Zeit als Verteidigungsminister keine nachhaltigen politischen Erfolge bieten. Sogar die überhastete Bundeswehrreform verzieh ihm die Öffentlichkeit. Sein Erfolg resultierte vor allem daraus, was auf ihn projiziert wurde: eine Führungsfigur anderen Typs, der Geradlinigkeit, Charisma und Unabhängigkeit verkörperte, ein Heilsbringer, der die kleinteilige, halbherzige und scheinbar hasenfüßige Politik mit einem Schlag hinwegfegte.

Der Mann, der sechs Jahre nach Guttenberg einen Hype um seine Person auslöste, war in vielem das genaue Gegenteil des Märchenprinzen aus dem Schloss in Oberfranken. Schon äußerlich sind beide grundverschieden: 61 Jahre alt, Träger einer altmodischen Brille und eines gewiss nicht hippen Bartes, keine modischen Besonderheiten. Auch seine Herkunft hat mit jener des CSU-Barons nichts gemein. Martin Schulz stammt aus einfachen Verhältnissen in der deutschen Provinz, Vater Polizist, Mutter Hausfrau. In jungen Jahren wurde der Schulabgänger zum Alkoholiker, zog sich aus dem Sumpf wieder heraus, nutzte seine zweite Chance, wurde Buchhändler, später Bürgermeister seiner Heimatstadt Würselen, Mitglied des Europäischen Parlaments, wo er es bis zum einflussreichen Präsidenten brachte. Wenn Guttenberg von oben herabstieg, dann stieg Schulz von unten hinauf. Sozialdemokraten lieben Aufstiegsgeschichten.

Doch der unmoderne Schulz löste ebenfalls eine Begeisterung aus, die mit rationalen Kriterien schwer zu begreifen ist. Schlangen bildeten sich vor seinen ersten Auftritten, nachdem er zum Kanzlerkandidaten der SPD nominiert worden war, mehr als zehntausend vor allem junge Leute traten in die Partei ein. Schulz war nicht neu in der Politik, er war 30 Jahre dabei, hatte sich im Europaparlament hochgearbeitet, verkehrte als Parlamentspräsident mit den Mächtigen in Europa und der Welt, hatte eine gute Beziehung zu Angela Merkel aufgebaut.

Der „Schulz-Zug“ – gebremst durch alte sozialdemokratische Floskeln

Doch da er auf der deutschen politischen Bühne weithin unbekannt war, galt er als neu und unverbraucht, als einer, der nicht zum politischem Establishment, zum „Machtkartell“ der Regierenden gehörte, der ein ganz anderer Typ von Politiker war. Für die Genossen war er damit einer, der die Partei retten könnte. Schulz und die SPD taten alles, um diese Heilserwartung zu nutzen: „Er ist leidenschaftlich. Er ist cool. Er ist mitfühlend“, so hieß es im Werbefilm über Schulz auf dem SPD-Parteitag im März 2017. Und obwohl der Kandidat zwar ein emotionaler, aber kein hinreißender Redner ist, konnte er Säle begeistern mit einfachen Sätzen, vor allem mit jenem „Ich will Bundeskanzler werden.“

Warum wird so jemand gefeiert wie ein Popstar? Ein Teil der Erklärung ist in der Erleichterung der SPD darüber zu suchen, dass die lange, schwierige Phase mit dem Vorsitzenden Sigmar Gabriel vorüber war. Ein anderer Teil war vielleicht dem Überdruss der zwölf Jahre langen Merkel-Ära geschuldet. Doch das erklärt nicht alles. Auch Schulz’ Botschaft „Mehr soziale Gerechtigkeit“ war alles andere als neu, sondern die alte sozialdemokratische Leier. Schulz verstand es jedoch, die Rolle eines Mannes aus dem Volk zu spielen, der weiß, wo die Leute der Schuh drückt, und der ihre Sprache spricht.

Doch der neue Ton, der Schulz zunächst Erfolg brachte, verbrauchte sich, ein Programm hatte er nicht zu bieten. Vielmehr zeigte sich, dass der Kanzlerkandidat, der bisher in der deutschen Politik kaum Erfahrung hatte, auf vielen Politikfeldern beinahe ahnungslos war. Vor allem in einer Situation, in der die wirtschaftliche Lage für die meisten gut war und viele Bürger eher Fragen zur inneren Sicherheit hatten, konnte Schulz nichts anbieten.

Zwar versprach er viel, etwa gute Bildung und bezahlbare Wohnungen, doch konkrete Vorschläge fehlten lange, und manches klang so, als hätte die SPD in den letzten Jahren nie regiert. Schon der Sieg der CDU im Saarland, unter der heutigen CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer als Ministerpräsidentin, bremste eine Woche nach der 100-Prozent-Wahl von Schulz zum SPD-Vorsitzenden den „Schulz-Zug“, darauffolgende Niederlagen der SPD in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ließen ihn noch vor der Bundestagswahl 2017 entgleisen. Die Sozialdemokratie landete mit ihrem einstigen Supermann genau da, wo sie gestanden hatte, bevor er angetreten war. Am Ende wollte die SPD ihrem gescheiterten Heiland nicht einmal ein Amt als Minister anvertrauen, schließlich hatte er versprochen, nicht Teil einer Regierung Merkel zu werden.

Die bundespolitische Karriere aus einem anderen Leben

Genau an dieser Stelle steht Friedrich Merz zurzeit. Nach der schon spektakulär knappen 48-Prozent-Niederlage gegen Annegret Kramp-Karrenbauer im Ringen um den CDU-Vorsitz wollte er sich nicht in ein Führungsamt der Partei wählen lassen und schwieg zunächst tagelang. Dann erklärte er in einem Interview mit dieser Zeitung seine Bereitschaft, ein Amt als Bundesminister zu übernehmen. Selbst seine treuen Anhänger waren nicht durchweg begeistert von diesem Vorgehen, und Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ mitteilen, sie gedenke nicht, ihr Kabinett umzubilden.

Die Beliebtheitswerte von Friedrich Merz in der Partei waren nach seiner Ankündigung, sich um den Vorsitz zu bemühen, von einem derartigen Wachstum, dass eine Entscheidung der Mitglieder über die Nachfolge der scheidenden Vorsitzenden Merkel vermutlich zu seinen Gunsten ausgegangen wäre. Selbst die Delegierten des Parteitags, von denen es vorher geheißen hatte, sie wären wohl erkennbar mehrheitlich eher für Kramp-Karrenbauer, entschieden sich nur hauchdünn für diese. Merz hatte anders als Guttenberg und Schulz bereits eine bundespolitische Karriere hinter sich, bevor er innerhalb kürzester Zeit zu einem Hoffnungsträger für weite Teile der CDU und ihrer Wähler aufstieg. Doch die lag weit zurück in den Jahren, als Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble das Sagen hatten. Kaum hatte die CDU sich entschieden, vom Jahr 2000 an Angela Merkel zu folgen, sank der Stern von Merz. Nach zwei Jahren im Fraktionsvorsitz bewarb Merz sich nicht einmal um eine zweite Amtszeit, kaum dass Merkel Anspruch auf den Posten erhoben hatte. Schäuble hatte ihm nach eigener Darstellung sogar davon abgeraten.

Es hätte sich im Herbst 2018 leicht feststellen lassen, dass Merz noch keinen Nachweis für seine Durchsetzungskraft in der politischen Bundesliga erbracht hatte. In der Partei hatte er es gar nicht versucht. Nach seiner Ablösung an der Spitze der Fraktion blieb er zwar noch sieben Jahre im Bundestag, bevor er sich 2009 in die Privatwirtschaft verabschiedete. Aber auch in diesen Jahren schlug er keine Pflöcke ein, an die man sich heute noch erinnert, sieht man einmal davon ab, dass er eine Vereinfachung des Steuersystems (Stichwort: Bierdeckel) vorschlug und eine deutsche Leitkultur befürwortete, was allerdings Merkel damals auch tat.

Das alles unterscheidet ihn übrigens von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dem Dritten im Rennen um die Merkel-Nachfolge. Spahn hatte in den vorigen Jahren der CDU-Vorsitzenden und Kanzlerin bei zwei wichtigen Parteitagsentscheidungen die Stirn geboten und sich durchgesetzt und hat schließlich einen solchen Druck auf Merkel ausgeübt, dass diese ihn ganz entgegen ihrer Gewohnheit, sich politische Gegner vom Leib zu halten, in ihr Kabinett aufnahm, nur um ihn und seine Anhänger ruhigzustellen. Trotz dieser Überlegenheit Spahns im Umgang mit der Mechanik der Macht wurde Merz zugetraut, Partei und Land zu führen, Spahn erhielt deutlich weniger Stimmen auf dem Parteitag.

Merz, Guttenberg und Schulz nutzten Unzufriedenheit für sich

Guttenberg, Schulz und Merz eint, dass sie Projektionsflächen waren. Jeder konnte ihnen Hoffnungen und Verheißungen nach Wunsch zuschreiben. Eine davon war, dass sie anders wären als das Berliner Establishment. Nicht das immer gleiche mühselige Schmieden von Kompromissen, sondern etwas Frisches, Neues, von außen Kommendes. So zu projizieren mit dem Risiko der Selbsttäuschung funktionierte nur, weil die Leinwände weiß waren. Guttenberg hatte noch gar keine bundespolitischen Spuren hinterlassen, so dass einfach alles auf die Leinwand geworfen werden konnte, ohne dass jemand Gegenargumente aus der jüngeren Vergangenheit hätte vorbringen können. Schulz hatte seine Spuren fast ausschließlich in Brüssel und Straßburg hinterlassen, nicht aber in Berlin. Und die Spuren von Merz waren so alt, dass sie verblasst waren und dem neuen Bild nicht im Wege standen. Dabei war das neue Bild für seine Fans die Hoffnung, dass vieles vom Alten, aus der Zeit des frühen Friedrich Merz, wiederbelebt werden könne.

Alle drei schossen in einer Zeit nach oben, in der ihre Parteien unzufrieden mit ihren Führungen waren. In der Union breitete sich nach der ersten großkoalitionären Legislaturperiode der stets glamourfreien Kanzlerin Merkel erster Unmut aus, als Guttenberg um die Ecke kam. Die SPD war der Führung durch Sigmar Gabriel so überdrüssig, dass ihnen auch ein Schulz als Heilsbringer recht war. Merz schließlich konnte 48 Prozent auf einem Parteitag bekommen, weil fast die Hälfte der Partei nicht nur Merkels überdrüssig war, sondern auch der von ihr bevorzugten politischen Methode, Politik mehr an den jeweiligen Wendungen der Wirklichkeit auszurichten denn an Programmatik oder gar an Parolen. Auch wenn das von den Merz-Freunden nicht offen ausgesprochen wurde, so dürfte die Begeisterung für ihn auch darin ihren Grund gehabt haben, dass nach 18 Jahren weiblicher Parteiführung mal wieder ein Mann, noch dazu einer traditionellen westdeutschen Zuschnitts nach dem Vorsitz griff.

Am Ende führt an der Erkenntnis nichts vorbei, dass die Begeisterung sich als flüchtig erwies, weil sie nicht nachhaltig gewachsen war. Damit käme die Analyse von Joschka Fischer wieder ins Spiel. Auch wenn weder Guttenberg noch Schulz und Merz selbst besonders aktiv in den sozialen Medien für ihren Aufstieg kämpften, so fand dieser doch in einer Zeit der massenhaften Hochgeschwindigkeitskommunikation statt. Twitter, Facebook und Instagram mögen die rasante Beschleunigung von Popularität unterstützen. Aber eben nicht deren Nachhaltigkeit.

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Bibliographie

FAZ 25.12.2018 / https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/maenner-in-der-politik-wie-wird-man-erloeser-15957204.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0


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