buch2 V I D S - INFOTHEK PUBLIC
Vogtländische Informations- und Dokumentationsstelle Psychoszene / Esoterik




Aurich, Sascha / Rückenwind für Extremisten / 10.12.2018. - 04:07 / PUBLIC / Druck beenden


Zur Festnahme von mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorzelle "Revolution Chemnitz".

Am Anfang war ein Messerangriff. Ende August wurde Daniel H. in der Chemnitzer Innenstadt tödlich verletzt. Drei Asylbewerber sind tatverdächtig.

Laut Generalbundesanwalt tun sich gut zwei Wochen später mehrere Männer zusammen und geben ihrer Gruppe den Namen "Revolution Chemnitz". Sie sollen bewaffnete Angriffe auf Ausländer und politisch Andersdenkende geplant haben. Die Rechtsextremisten bemühten sich laut der Ermittler um halbautomatische Schusswaffen. Dass sie es ernst meinten, zeigte sich schon Mitte September als die Gruppe mit Glasflaschen, Quarzhandschuhen und einem Elektroschocker auf der Schlossteichinsel in Chemnitz Ausländer angriff und einen verletzte. *

So sieht sie aus, die Antwort derer, die bei den teilweise fremdenfeindlichen und rassistischen Ausschreitungen nach dem Tod von Daniel H. an vorderster Front mitmischten. Hooligans, Skinheads, Neonazis, viele polizeibekannt, zum Teil einschlägig vorbestraft, aggressiv, gewaltbereit. Am Montag nach der Tat versammelten sich Tausende Menschen vor dem Karl-Marx-Monument in Chemnitz. Das Bild der Veranstaltung prägten Rechtsextreme, mehrfach wurde der Hitlergruß gezeigt. Und wie sich in diesen Tagen immer wieder vor Gericht herausstellt, nicht von vermeintlichen linken Provokateuren.

Doch es waren auch etliche Leute gekommen, die nicht zur rechten Szene gehören. Deshalb gab es anschließend heftige Diskussionen darüber, wer da nun demonstriert hatte. Durfte man die Veranstaltung eine rechte Demonstration nennen? Sind das alles Nazis? Tat man damit nicht jenen Unrecht, die lediglich ihre Trauer, ihre Wut und ihre Angst ausdrücken wollten und dafür eine Gelegenheit suchten?

Diese Debatte ist wichtig. Denn ohne Differenzierung geht es nicht. Nicht in dieser Sache und erst recht nicht, wenn wir über den richtigen Umgang mit Flüchtlingen reden. Nein, es waren nicht nur Rechte, die sich vor dem Marx-Monument versammelten. Und trotzdem ist es falsch, sich hinter Rechtsradikale zu stellen. Man stärkt Menschen, die die Demokratie verachten und Probleme mit Gewalt lösen wollen. Und auch wenn die Gewissheiten in diesen Wochen schwinden: So tickt die Mehrheit der Sachsen nicht. Es wird aber auch höchste Zeit, das deutlich zu zeigen.

Denn die Rechtsextremisten wittern jetzt Morgenluft. Die Probleme mit einem Teil der hier lebenden Migranten spielen ihnen in die Hände. Rechtspopulisten reden Lösungen das Wort, die verlockend einfach scheinen. Die Grenze des Sagbaren hat sich bereits verschoben - und mit ihr jene des Denkbaren. Neonazis fühlen sich bestärkt und ermutigt, reden sich am Ende gar ein, sie handelten im Auftrag des Volkes. Wie tief ihr Hass sitzt und wozu er führen kann, hat der NSU gezeigt. Und wie schnell aus so einer Gesinnung im entsprechenden gesellschaftlichen Klima ganz konkrete Anschlagspläne reifen, sieht man an der sogenannten "Revolution Chemnitz". Diese Menschen wollen nicht die Flüchtlingspolitik korrigieren, sondern das Land mit Gewalt auf den Kopf stellen.




Bibliographie

Freie Presse 01.10.208 /https://www.freiepresse.de/meinungen/kommentare/rueckenwind-fuer-extremisten-artikel10326655


Edition VIKAS 2006-/FEPA V 2.1-