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Vogtländische Informations- und Dokumentationsstelle destruktive Kulte / Psychoszene / Esoterik





Autor / Datum / Thema /Status Rühle, Wolfgang VIDS / 2019-08-26 17:59 / AHA-Effekt im Pfaffengut Plauen - weiter denken, anders handeln ? / INFOTHEK printer abbrechen Kommentarfunktion aktiv
Zusammenfassung

(VIDS 26.08.2019/Plauen) Am 30.06.2019 bot das Pfaffengut in Plauen dem  Nachbarschaftsverein Gründler e.V.  die Bühne für eine Veranstaltung unter dem Motto  „ Anders Handeln, weiter denken“.  Der Anspruch anders handeln im Sinne von irrational wurde voll erfüllt, ob dabei weiter gedacht wurde, darf ernsthaft bezweifelt werden. Die Veranstaltung war bewusst oder unbewusst eher als Ausflug in eine irrationale Parallelwelt konzipiert.

VIDS, Wolfgang Rühle, 26.08.2019 / Kommentar
 

Aha-Tag  im Pfaffengut Plauen – weiter denken, anders handeln ?

 

Am 30.06.2019 stellte das Pfaffengut in Plauen dem  Nachbarschaftsverein Gründler e.V. Räume  für eine Veranstaltung unter dem Motto  „ Anders Handeln, weiter denken“ zur Verfügung. Der Gründlerverein hat sich u.a.  der Förderung von Kultur und Tradition verschrieben. Die Organisatorin der Veranstaltung, Frau B., beschrieb in einem Interview mit der FP vom 10.07.2017 im Rahmen der ersten Veranstaltung dieser Art das Anliegen dieses Nachmittages mit "… sich etwas Gutes tun, um Entspannung zu finden in hektischer Zeit“. Von 12 bis 18.30 Uhr waren Vorträge und Workshops rund um das Thema Gesundheit und Entspannung angekündigt

Schauen wir kurz in das Programm.

Einer der ersten Referenten war ein Dipl.Wirtsch.-Ing(FH), der jetzt als  Fachberater für holistische Gesundheit gemeinsam mit einer auf ganzheitliche Krebsberatung spezialisierten Heilpraktikerin  eine Praxis für ganzheitliche Medizin in Reichenbach betreibt . Die „holistische Medizin“ geht von der Grundannahme aus, dass ein Mensch, der seine innere Bestimmung nicht leben kann und die Gesetze des Kosmos und der Natur missachtet, unweigerlich körperliche und seelische Gesundheitsstörungen entwickelt. Den eigenen Körper  mit den kosmischen Schwingungen  zwischen Himmel und Erde in Einklang zu bringen, mit diesem Ansatz soll die  profane Naturwissenschaft  um die multikausal-ganzheitliche Denkweise des Holismus erweitert werden -  um so die Sehnsucht nach höherer Ordnung und Kraft vieler Menschen zu befriedigen. Den Tumor als Freund sehen (Kausanetik) war ein weiter Vortrag aus der gleichen Praxis betitelt. Auf dieser „energetischen Ebene“  bewegten sich auch die nachfolgenden Veranstaltungen. Erklärung und Reise ins innere Ich mit Hilfe von Klangschalen, eine Reise zu dir selbst im Workshop Lichtklang und Aura Soma als feinstoffliche Therapiehilfe für die Seele ergänzten das energetische Konzept. Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers durch Informationsübertragung mittels der neuen Homöopathie darf in einem solchen Kontext natürlich nicht fehlen. Den Rest des Spektakels  kann man bei diesem Seelenkraftort nachlesen.

Inhaltlich rufen die Angebote Erinnerungen an die  Naturheiltage 2007  ins Gedächtnis. An sich selbst, auf sich selbst besinnen, auf die innere Stimme hören, auf Herz, Seele und den Bauch hören...... die Liebe zur Existenz wieder ans Licht bringen und auf diesem Wege weitergehen ....Nur eine sanfte Revolution in unseren Köpfen, in unserem Bewusstsein und Herzen kann diese Welt verändern" titelte damals  die AGAMA Nr. 4/September 2007 - Das Magazin für Körper, Geist und Seele.

Entspannung zu finden  in hektischer Zeit ist im Vogtland auf vielfältige und gesunde Art in unserer ganz realen Welt möglich,  dazu bedarf es keiner  Entführung in eine esoterische und parawissenschaftliche  Parallelwelt mit teils unberechenbaren Folgen für den Einzelnen und dessen soziales Umfeld.

Den Besuchern etwas Gutes tun,  war  ein weiteres Anliegen der Veranstalter. Das dies bei allen gelungen ist, darf bezweifelt werden. Sicher wird mancher Besucher seinen Spaß gehabt haben, andere werden sich in ihrer spirituellen Entwicklung, ihrem besonderen Status,  bestätigt gefühlt haben. Es bleibt zu hoffen, dass niemand an diesem Tag  das Pfaffengut mit dem Gedanken verlassen hat, sich in seinem weiteren Leben diesem irrationalen Gebaren stärker zuzuwenden und alles Gewesene anzuzweifeln. Von 'etwas Gutes tun' könnte dann wohl kaum noch die Rede sein. Eine solche Entscheidung könnte durchaus der Beginn eines langen und anfangs oft nicht bewusst wahrgenommenen  Weges der Persönlichkeitsveränderung sein.

Mit solchen Angeboten den Anspruch zu erheben, weiter gedacht zu haben, ist nur schwer nachvollziehbar. Eher entsteht der Eindruck, dass menschlicher Verstand  und menschliche Vernunft an diesem Nachmittag im Pfaffengut verdrängt und durch höhere spirituelle Kräfte ersetzt werden sollten. Das klingt nach Resignation, nach Regression, nach Zweifel des Veranstalters an der Fähigkeit des Einzelnen, seine Lebensumstände selbst ohne  Verweis auf eine höhere Ordnung und Kraft aktiv beeinflussen zu können. Man könnte es auch als einen Versuch der bewussten oder unbewussten Manipulation  ansehen.

Wie passt ein solches Angebot zum Pfaffengut? 

Das  im Besitz der Stadt  Plauen befindliche Pfaffengut  wird seit 1993 an den BUND e.V. als Umwelt- und Naturschutzzentrum verpachtet und  seit 1998 vom  Förderverein Pfaffengut Plauen e.V.  als  eine ökologische Bildungs- und Begegnungsstätte betrieben. Nach eigener Darstellung stellt das Plauener Umwelt- und Naturschutzzentrum an sich als Einrichtung auch einen hohen Qualitätsanspruch.

So gesehen passen die beiden eigentlich gar nicht zusammen.

Auf unsere mehrfache Interviewanfrage erhielten wir  weder vom  Gründler e.V. noch vom  BUND Vogtland eine Antwort.




Bibliografie

VIDS 26.08.2019 / Wolfgang Rühle




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