vikas F E P A -- ESOTERISCHE, PARAWISSENSCHAFTLICHE UND PSEUDOWISSENSCHAFTLICHE MARKTANGEBOTE - LEXIKON public -> Psychoszene



F E P A ist eine vom Verein VIKAS e.V. betriebene Plattform zur strukturierten Sammlung von Informationen zu esoterischen, parawissenschaftlichen und alternativmedizinischen Angeboten. Die erhobenen Daten dienen als Grundlage einer sozial- und geisteswissenschaftlich validen Analyse esoterischer Angebote. Die Aufnahme in die Datenbank stellt kein Werturteil dar, sondern erfolgt zufällig nach der öffentlichen regionalen Wahrnehmbarkeit der Selbstdarstellung der Anbieter in der Printwerbung und im Internet. Ziel der Studie ist es, eine statistisch relevante Menge von esoterischen Angeboten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sammeln und sie der sozialwissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Die Kriterien zur Aufnahme in die Datenbank finden Sie hier

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[Kategorie: Esoterik / Gruppe: Psychoszene / GND= kein Eintrag ]
Kurztext

Die Psychoszene als soziale Gruppe ist gekennzeichnet durch eliteren Führerkult, den  Anspruch der Wahrheit in den propagierten Weltverbesserungslehren, Schiksals-, Karma-  und Vorsehungsgläubigkeit in unterschiedlicher Ausprägung. Sie ist antisozial, antihumanistisch und antiaufklärerisch orientiert und überwiegend geprägt durch blindgläubigen Fanatismus ihrer Anhänger. [2]

Haupttext

Die Psyche (altgriechisch ψυχή, deutsch ‚Seele‘) kann als ein Ort menschlichen Fühlens und Denkens verstanden werden. Sie ist die Summe aller geistigen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen. Im Gegensatz zur Seele umfasst die Psyche keine transzendenten Elemente.[3]

Seit den 1990er Jahren wird unter dem Begriff der Szene ein Netzwerk von Personen und Personengruppen verstanden, welche sich über einen gemeinsamen Aspekt des Lebens vergemeinschaften. Eine Szene in diesem Verständnis ist eine „Form von lockerem Netzwerk; einem Netzwerk, in dem sich unbestimmt viele beteiligte Personen und Personengruppen vergemeinschaften.“[4] Die Zugehörigkeit zu Szenen ermöglicht den Akteueren eine leichtere Identitätsbildung in zunehmend unübersichtlichen Situationen. Der Ursprung der Szenebildung liegt in der Suche nach Eindeutigkeit, nach Anhaltspunkten, nach kognitiver Sicherheit in einer zunehmend unübersichtlichen Situation. Dem ständig drohenden Chaos setzen die Menschen vereinfachende Strukturvorstellungen entgegen. Szenen sind Versuche, sich in einer schwer überschaubaren sozialen Wirklichkeit zu orientieren.[5]

Die Psychoszene ist gekennzeichnet durch eliteren Führerkult, den  Anspruch der Wahrheit in den propagierten Weltverbesserungslehren, Schiksals-, Karma-  und Vorsehungsgläubigkeit in unterschiedlicher Ausprägung. Sie ist antisozial, antihumanistisch und antiaufklärerisch orientiert und überwiegend geprägt durch blindgläubigen Fanatismus ihrer Anhänger. [2]

 

[Methoden]

Die in der Psychoszene angewandten Mittel und Methoden sind nicht a priori der Szene zuordenbar. Entscheidende Kriterien für die Zuordnung zur Szene sind die Zweckbestimmung und die Rahmenbedingungen für die Anwendung einer Methode und somit das Agieren des Anbieters. In der FEPA-Studie werden u.a. die nachstehend aufgeführten  Kriterien für die Zuordnung eines Angebotes zur Szene herangezogen.  Es handelt sich dabei um notwendige, in der Regel aber nur in Kombination hinreichende Kriterien.

 

[Gesellschaft/Heilung]

Neben der etablierten Psychotherapie gibt es eine alternative Psychoszene. Seit den 80er Jahren werden die Angebote zunehmend mit religiösen, magischen oder esoterischen Vorstellungen vermischt, insofern eine Gesamtschau des Lebens und der Natur vermittelt wird. Die Szene, die auch Freizeitangebote und Managementschulung mit Therapie verbindet, organisiert sich marktorientiert nach Angebot und Nachfrage. Es gibt daneben jedoch auch Gruppen mit einer psychologischen, besser psychologistischen Ideologie, die den Charakter einer  Heilslehre annehmen kann.

Die Psychoszene präsentiert sich als eine Ansammlung verschiedenster Gruppierungen, Institutionen und Einzelanbieter mit einer Vielzahl psychotherapieähnlicher Methoden zur "Selbsterfahrung" und "Bewußtseinserweiterung" und  esoterischen Praktiken (-> Esoterik ). Die Psychoszene ist stark Modetrends unterworfen. Übergänge zu   sektenähnlichen Gruppierungen (-> Sekte ) können gegeben sein.[1]

 

[Gesellschaft/Politik/Ideologie]

Die Szene ist u.a. dadurch geprägt,  durch Vereinnahmung mittels populistischer Methoden (-> Manipulation ) , Leugnung historischer Fakten, zweckorientierte Redefinition von Begriffen, Abkehr vom rationalen Denken und Hinwendung zu mystischer Verklärung einen bestehenden gesellschaftlichen Konsenz aufbrechen zu wollen.  Argumentation vorrangig auf Gefühlsebene und Manipulation gehören zu den gängigen Methoden der Szene. Eine rationale Auseinandersetzung/Argumentation mit der Szene wird dadurch erschwert und ist nicht selten unmöglich.  "Die Macht der Worte ist stets mit den Bildern verbunden, die sie hervorrufen, und völlig unabhängig von ihrer wahren Bedeutung. Worte, deren Sinn schwer zu erklären ist, sind oft am wirkungsvollsten"[6]. Dabei wird gezielt darauf spekuliert, dass bestimmte Worte und Redewendungen rational nicht widerlegt werden können. "Man spricht sie mit Andacht vor den Massen aus, und sogleich werden die Mienen erfurchtsvoll, und die Köpfe neigen sich"[6].

In der Regel werden machtpolitische Zwecke - Ideologien - verfolgt. Die Ziele werden in den Anfängen selten offenbart, agiert wird  mit einer  gesellschaftlich akzeptierten Begriffswelt, die systematisch verschoben wird (Overton-Fenster). Mit zunehmender, sich schleichend entwickelnder Akzeptanz in der Gesellschaft, werden auch die Mittel und Methoden direkter und offenkundiger - meist erst dann, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz ausreichend hoch oder eine aktuelle Situation unmittelbar geeignet ist, die Massen zu mobilisieren. Zum Erreichen ihrer Ziele nutzt die Szene konsequent alle ihr zur Verfügung stehenden demokratischen Mittel und testet mögliche Grenzüberschreitungen gezielt aus.

Die Passivität von Gesellschaft (->Akzeptanz) und demokratischen Institutionen (-> Duldung)  und deren fehlender Wille, der Szene gegenüber feststehende und allgemein akzeptierte Rechtsregeln  konsequent anzuwenden, verstärken das Problem zusätzlich.  Dabei wird übersehen, dass "..zwischen einer scheinbar harmlosen Ideologie und ihren gar nicht harmlosen, radikalen Anwendungen sich keine klaren Grenzen ziehen lassen. ... Es rächt sich, wenn man den Glauben an Hexen und Zauberer respektiert und zugleich hofft, dass niemand diesen Glauben 'mißbrauchen' oder 'radikal' interpretieren ... wird"[7].

 

[Gesellschaft/Wirtschaft]

 

Quellen

(1) Werner Gross (Hrsg.): Psychomarkt, Sekten, Destruktive Kulte; DPV 1994, S. 30 ff.

(2) vgl. Colin Goldner, Die Psychoszene, Alibri 2000, Vorwort

(3) Wikipedia, Abruf 02.09.2018

(4) Ronald Hitzler, Arne Niederbacher: Leben in Szenen. 3., überarbeitete Auflage. VS Verlag 2010, ISBN 978-3-531-15743-6, S. 15–31.

(5) Klaus Janke, Stefan Niehues: Echt abgedreht. Die Jugend der 90er Jahre. 4. Auflage. C.H.Beck, München 1996, ISBN 3-406-37481-6, S. 17–23.

(6) vgl. Gustave Le Bon, Psychologie der Massen, Nikol Hamburg, 2009, S. 98 ff.

(7) vgl. Hubert Schleichert, Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren, Beck Verlag, München 2005

Weiterführende Informationen

Psychomarkt


Externe Links :

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