vikas F E P A -- ESOTERISCHE, PARAWISSENSCHAFTLICHE UND PSEUDOWISSENSCHAFTLICHE MARKTANGEBOTE - LEXIKON public -> Psychomarkt



F E P A ist eine vom Verein VIKAS e.V. betriebene Plattform zur strukturierten Sammlung von Informationen zu esoterischen, parawissenschaftlichen und alternativmedizinischen Angeboten. Die erhobenen Daten dienen als Grundlage einer sozial- und geisteswissenschaftlich validen Analyse esoterischer Angebote. Die Aufnahme in die Datenbank stellt kein Werturteil dar, sondern erfolgt zufällig nach der öffentlichen regionalen Wahrnehmbarkeit der Selbstdarstellung der Anbieter in der Printwerbung und im Internet. Ziel der Studie ist es, eine statistisch relevante Menge von esoterischen Angeboten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sammeln und sie der sozialwissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Die Kriterien zur Aufnahme in die Datenbank finden Sie hier

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Psychomarkt Home
[Kategorie: Esoterik / Gruppe: Psychomarkt / GND= kein Eintrag ]
Kurztext

Die Bezeichnung Psychomarkt steht für die Vielfalt der Anbieter und Angebote psychologischer Dienstleistungen (z. B. Psychologische Diagnostik, Beratung, Lebenshilfe, Persönlichkeitsentwicklung, Therapie, andere Personaldienstleistungen u.v.m.) mit oft schwer zu überprüfenden Inhalten sowie oft fragwürdiger Qualität (-> Esoterik ).  Durch den Begriff Markt soll verdeutlicht werden, dass es sich dabei um einen stark kommerziellen Bereich handelt. Auf dem Psychomarkt werden Methoden der Beeinflussung verkauft, die angeblich Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit verbessern sollen. Hinzu kommt ein umfangreiches Warensortiment, zum dem auch Heilmittel und Lebensmittel gehören.

Haupttext

Auf dem Psychomarkt werden Methoden der Beeinflussung verkauft, die angeblich Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit verbessern sollen,  Meist werden "Programme", "Lehren", "Methoden" oder Mittel mit zusätzlichen Phantasiebezeichungen angeboten.  Versprochen werden oft geradezu phantastische Wirkungen. Diese werden mit höchst phantasievollen  und oft nichtssagenden Begriffen umschrieben. Kritisch wird es besonders dann, wenn Psychomarkt-Anbieter oder Beeinflussungsunternehmen ihre Kunden über das Angebot täuschen (-> Manipulation ).

Auf dem Psychomarkt werden vielfach Symptome psychischer Krankheiten als erstrebenswerte Zustände verkauft und kostenpflichtige Unterweisungen angeboten, mit denen man diese Zustände herbeiführen kann. Die Folge ist nicht selten eine plötzliche, drastische Persönlichkeitsveränderung. Viele dieser Anbieter empfehlen oder verordnen die rigorose Trennung von Angehörigen oder Partnern als therapeutische oder ideologische Notwendigkeit. Damit werden dann zugleich die Brücken zu früheren Bezugspersonen abgebrochen, die krankhafte Veränderungen am ehesten bemerken könnten.

Eine der wichtigsten Methoden des Psychomarktes ist das Redefinieren von Begriffen. Begriffe werden mit neuen Bedeutungen belegt. Diese Methode wird insbesondere auch auf den Gebieten der Heilung und des Coaching angewandt. Die Begriffe "Heilung" werden mit eigener Definition benutzt und damit auch die Begriffe Krankheit und Gesundheit neu definiert. Auch der Begriff der "Persönlichkeitsentwicklung" wird von den Anbietern auf diese Weise neu belegt. Psychomarktangebote sind auch aus diesem Grunde für den Verbraucher nicht selten schwer von seriösen Marktangeboten zu unterscheiden.

Auf dem Psychomarkt werden Phantasiebezeichnungen aller Art als Berufsbezeichnung benutzt. Nicht nur durch die Anbieter von Psychomethoden. Vor allem auch von den selbsternannten Ausbildern, welche die eigentlichen Verbreiter solcher Bezeichnungen sind. Manche dieser Bezeichnungen sind strafrechtlich verboten, andere lediglich zivilrechtlich unzulässig, etwa wegen Verstosses gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb UWG.

 

[Deutschland]

Die Enquete-Kommission des Bundestages stellte 1998 in ihrem Abschlußbericht zu sogenannten Sekten und Psychogruppen (Drucksache 13/10950 vom 09.06.1998) fest:

"In den vergangenen 20 Jahren hat sich in der Bundesrepublik Deutschland ein mittlerweile vollkommen unübersichtlicher "Psychomarkt" gebildet, dessen Expansion immer weiter fortgeschritten ist. Nach Erkenntnissen der Enquete-Kommission sind mittlerweile ca. tausend Ansätze, Methoden, Techniken und Verfahren auf diesem Markt zu erkennen. Die Angebote zielen auf Heilung bei psychischen oder psychosomatischen Störungen, Bewältigung von Lebenskrisen, Veränderung der Lebenssituation, Verbesserung der geistig-seelischen Fähigkeiten, Steigerung der Durchsetzungsfähigkeit oder Konfliktbewältigung und Selbstbehauptung. Auch Seminare für Persönlichkeitstraining, die im Rahmen der betrieblichen Personalentwicklungsarbeit sehr geschätzt werden, zählen zu diesem Psychomarkt. Für diese Angebote wird mittlerweile in der Verkehrssprache der Begriff Lebensbewältigungshilfe benutzt".(Bericht 5.5.5.3)

Diese Einschätzung ist mehr denn je gültig, wird aber unverändert von Politik und Gesellschaft ignoriert.  Sogenannte Therapien oder auch Psychotechniken können genauso gefährlich sein, wie viele Produkte, vor denen der Staat heute schon routinemäßig warnt. Trotzdem  hält sich  der Staat praktisch  völlig aus der Problematik heraus, nicht selten unter Berufung auf seine m.E. in diesem Zusammenhang  falsch interpretierte Neutralitätspflicht  entgegen des vom BVG mit Beschluss des Ersten Senats vom 26. Juni 2002 (1 BvR 670/91) formulierten Standpunktes.  Der Staat unterhält keinerlei Einrichtungen, die sich mit der Überprüfung und Bewertung von Psycho-Produkten befassen.  Teilweise werden die Praktiken des Psychomarktes durch den Gesetzgeber sogar gefördert. Ganz unbelastet können z.B. Anbieter agieren, die 'rituelle' Heilung anbieten und sich dabei auf den Schutz des Art.4 des Grundgesetzes - Freiheit des Glaubens - berufen.(2)   Die Entscheidung des BVG vom 2. März 2004 (BvR 784-03) basierend auf Art.12 des Grundgesetzes - Grundrecht der Berufsfreiheit - begünstigt die Entwicklung des Psychomarktes ebenfalls.

Der materielle und psychische Schaden, der Konsumenten durch Psychomarktanbieter zugefügt wird, kann für Einzelpersonen und Gruppen beträchtlich bis existentiell gefährdend sein. Mit den Folgen müssen sich Betroffene in der Regel mehr oder eher weniger erfolgreich allein auseinandersetzen. Sie werden nicht selten von Staat, Institutionen  und Gesellschaft als Personen dargestellt, die nicht in der Lage sind, eigenverantwortlich zu handeln. Eine eklatante Fehleinschätzung aufgrund fehlender Sachkenntnis oder Desinteresses bezüglich der Inhalte und Wirkungsmechanismen der Psychoszene/Esoterikszene und wirksamer Lobbyarbeit der Psychoszene. Dabei wird zudem verkannt, dass die verfassungsrechtliche Betrachtung sich nicht nur auf den Schutz der Psychomarktanbieter beschränken darf, sondern auch den Schutz der Betroffenen zu berücksichtigen hat. Jedes vernüftige Interesse der Allgemeinheit rechtfertigt z.B. Eingriffe in die Freiheit der Berufsausübung. Von der Verfassung werden auch Rechte Betroffener wie Leben, Gesundheit und Freiheit als schützenswert eingestuft.(3)

Unabhängige Kritiker der Psychoszene sind eine Rarität, nicht zuletzt befördert durch das Agieren des Staates und dessen Institutionen. Ein neutraler, konfessionsunabhängiger Verbraucherschutz auf dem Psychomarkt existiert faktisch nicht. Präventives Arbeiten unabhängiger Institutionen ist zudem mit einem hohen Klagerisiko verbunden.

Quellen

(1) AGPF, http://www.agpf.de/Psychomarkt.htm#WkiDef, Abruf 13.08.2018

(2) vgl. Günter Gehl und Matthias Neff (Hrsg), Psychomarkt Deutschland, Psychogruppen im Spannungsfeld von Staat, Gesellschaft, Kirchen, Bertuch Verlag GmbH, Weimar, 2005

(3) vgl. ebenda

Weiterführende Informationen

Esoterik , Psychoszene


Externe Links :

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