vikas F E P A -- ESOTERISCHE, PARAWISSENSCHAFTLICHE UND PSEUDOWISSENSCHAFTLICHE MARKTANGEBOTE - LEXIKON public -> Esoterik



F E P A ist eine vom Verein VIKAS e.V. betriebene Plattform zur strukturierten Sammlung von Informationen zu esoterischen, parawissenschaftlichen und alternativmedizinischen Angeboten. Die erhobenen Daten dienen als Grundlage einer sozial- und geisteswissenschaftlich validen Analyse esoterischer Angebote. Die Aufnahme in die Datenbank stellt kein Werturteil dar, sondern erfolgt zufällig nach der öffentlichen regionalen Wahrnehmbarkeit der Selbstdarstellung der Anbieter in der Printwerbung und im Internet. Ziel der Studie ist es, eine statistisch relevante Menge von esoterischen Angeboten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sammeln und sie der sozialwissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Die Kriterien zur Aufnahme in die Datenbank finden Sie hier

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[Kategorie: Wissenschaft / Gruppe: Esoterik / GND= 4015541-9 ]
Kurztext

Esoterik bezeichnet seit der Antike einerseits das innen Erfahrene, das man nicht beliebig mitteilen kann und andererseits ein religiöses Geheimwissen, welches nur einem inneren Kreis von Eingeweihten zugänglich ist.
Heute wird der Begriff Esoterik im Sinne einer Weltsicht oder Geisteshaltung verstanden, die sehr viele Lehren und Schulen umfasst, auch okkulte (-> Okkultismus ) und magische Praktiken und Vorstellungen. Esoteriker übersetzen den Begriff auch mit nach innen gerichtet und meinen damit alles was die Seele des Menschen betrifft.

Haupttext

[Esoterik heute]

Heute wird der Begriff Esoterik im Sinne einer Weltsicht oder Geisteshaltung verstanden, die sehr viele Lehren und Schulen umfasst, auch okkulte und magische Praktiken und Vorstellungen. Esoteriker übersetzen den Begriff auch mit nach innen gerichtet und meinen damit alles was die Seele des Menschen betrifft. Die Esoterik ist heutzutage ein Sammelbegriff für weltanschauliche Strömungen, die Elemente der Spiritualität, der Astrologie, des -> Okkultismus   etc. mit einbeziehen und ist als Ausdruck individueller Spiritualität gesellschaftlich teilweise akzeptiert. Die Gegewartsesoterik vertritt alternative Weltanschauungs- und Lebensformen, wendet unkonventionelle Heilverfahren an, praktiziert östliche Meditationsweisen sowie Schulungs- und Heilmethoden oder beruft sich auf parapsychologische Annahmen und wendet sich bewusst von den Rationalitätskriterien des modernen wissenschaftlichen und weltanschaulichen Denkens ab und baut auf eine besondere, höhere Erkenntnis.(6)

In der esoterischen Weltsicht ist die pantheistische Vorstellung einer göttlich universalen Kraft verbreitet. Unter esoterisch werden heute alle jene Schriften, Lehren und Praktiken zusammengefasst, die:(1)

1. soweit es sich um Religiöses handelt, mit den erklärten Lehren der Kirchen in Widerspruch stehen;
2. soweit es sich als Wissen versteht, mit den Erkenntnissen und Methoden der Wissenschaften nicht zu vereinbaren sind und deshalb als "höheres Wissen" ausgegeben werden;
3. was auf dem Markt der Esoterik schlicht als 'esoterisch' verkauft werden kann
.

Esoterisches Gedankengut wird massgeblich geprägt durch Herabsetzung von Verstand und Vernunft, elitäre Erkenntnistheorie und Schaffung von Mythen. Einmal verfangen in esoterischem Gedankengut, haben sich Betroffene bereits von logisch-kausalem Denken abgewandt und sind an rationalen Gesprächen (über ihren Glauben) meist desinteressiert.

Als Esoterik kann praktisch jede Disziplin verstanden werden, die weder empirisch noch rational überprüfbar ist. Zudem ist zunehmend eine Vermischung mit  uralten Weisheitslehren diverser Kulturen und fernöstlichen Religionen zu beobachten. "Heute gilt der Begriff Esoterik als Bezeichnung für ein weites Spektrum an Heils- und Weltanschauungslehren, deren Gemeinsamkeit in ihrer Abkehr von Wissenschaftlichkeit, Plausibilität und Vernunft liegt; oder andersherum formuliert, die auf alles absehen, was nur irgendwie spiritistisch, mystisch, okkult oder schlicht antirational daherkommt".(7)

 

[Esoterik und Gesellschaft]

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Esoterik variiert in Abhängigkeit von der sozialen und politischen Situation. Irrationale Heilslehren haben  in Zeiten sozialer Unsicherheit und politischen Umbruchs besondere Relevanz. Anhänger esoterischer Lehren werden zur subjektiven Flucht aus der realen Welt angehalten. Es bietet sich für sie die Möglichkeit, sich von der Masse der Menschen abzusetzen, sich selbst als "Wissenden" zu erhöhen und sich dabei gleichzeitig jeder persönlichen Verantwortung sowohl für sich selbst als auch für die Gesellschaft zu entziehen. Insofern wirkt esoterischer Irrationalismus systemstützend.(2)

 

[Esoterik - aktuelles Selbstverständnis]

Esoterik geht von einem Kosmos aus, in dem alles sinnvoll und wohl geordnet ist, in dem es keinen Zufall gibt. Infolgedessen besteht die Gefahr, dass Esoteriker zwanghaft alles mit allem in Verbindung setzen und das kosmische Geschehen als auf sich selbst bezogen betrachten (->#Anthropozentrismus#).

Esoterik versteht sich als ein Weg zur besseren Lebensbewältigung, vielfach als Heilsweg zur Selbstbefreiung und Erlösung. Eine zentrale Rolle spielt in diesem Umfeld demnach die Überwindung von körperlichen und seelischen Krankheiten. In der -> #esoterischen Medizin# entsteht eine Erkrankung nicht primär auf der körperlichen Ebene und lässt sich auch nicht auf dieser heilen. Krankheiten entstehen nach esoterischem Verständnis durch ->#energetische Störungen# auf einer  ->#feinstofflichen Ebene# (feinstofflicher Körper, Seele, ...) zwischen Geist und Materie. Über die Entstehung von Krankheiten herrschen dabei vielfältige Auffassungen, häufig wird die Karmalehre (-> Karma ) als Ursache herangezogen.

Die Beschäftigung mit Esoterik wird nicht selten zu einer  Flucht in eine weltfremde Innerlichkeit. die durch eine Schüler-Meisterbeziehung noch befördert werden kann.

Auf den Gebieten der Psychotherapie und der Psychologie lässt sich eine erneute Hinwendung (in manchen Strömungen) zur Esoterik (-> esoterische Psychologie ) beobachten.(3)

 

[Esoterik als Denkform]

Antoine Faivre stellte 1992 die umstrittene These auf, dass man die Esoterik als eine Denkform (frz. forme de pensée) betrachten könne, und beschrieb die folgenden grundlegende Komponenten dieser Denkform (-> #Faivre-Paradigma#] (4):

1. Denken in Entsprechungen (Mikrokosmos=Makrokosmos);
2. Idee der beseelten Natur;
3. Imagination und Mediation;
4.Erfahrung der Transmutation;
5. Praxis der Konkordanzbildung;
6. Initiation durch einen Meister in ritualisierter Form.

Die Aussagen 1,3 und 4 sind jedoch nach der modernen Aussagenlogik Aussagen über Sachen und nicht Aussagen über das Denken. Die Aussagen 5 und 6 haben Aussagen über die soziale Autorität und Weitergabe von esoterischen Lehren zum Inhalt. Eine spezifische esoterische Denkform lässt sich anhand der Kriterien von Faivre nicht erkennen. Die Bezeichnung der Esoterik als Denkform erweist sich eher als eine Immunisierung der Esoterik gegen wisssenschaftliche Kritik, soweit sie Wissenschaft sein will und gegen religiöse und ethische Kritik, soweit sie Religion zu sein beansprucht ((1), S. 115, ff).

Der Grundfehler der Esoterik ist nach Zinser (1) die fehlende kritische Haltung gegenüber dem eigenen Denken, die Verleugnung der Unterschiede zwischen Wahrnehmung und Deutung, der Ausfall der Reflexion des eigenen Denkens. Dies spiegelt sich u.a. in der Aussage wider, das esoterische und okkulte Phänomene der Alltagserfahrung und der wissenschaftlichen Erfahrung und Untersuchung entzogen seien oder diese transzendieren und doch zugleich erfahrbar sein sollen.

Bohnke (3) betont, dass sich die Esoterik einer eindeutigen Begriffsdefinition verweigert. Er beschreibt den Gegenstand mittels fünf grundlegender  Bereiche: #Mystik#, Wahrsagen , Magie ,  #Psi# und Spiritismus . Bohnke betont zusätzlich die Bedeutung von Selbsterfahrung und Selbstentfaltung als das Ziel esoterischer Praktiken und beschreibt  diese mittels verschiedener  Grundelemente des esoterischen Denkens:

1. Denken in Entsprechungen (Mikrokosmos= Makrokosmos;
2. die Polarität von Ying und Yang als angenommene Urkräfte;
3. das Bemühen um die Aufnahme moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse;
4. Anspruch auf Heilung durch geistige bzw. sogenannte feinstoffliche (nicht materielle) Behandlung mit dem Versprechen völliger physischer und psychischer Heilung;
5. Annahme einer Menschheitsentwicklung in 3 Phasen: göttliche Einheit -> Individualisierung -> allmähliche Umkehr des Prozesses durch den Menschen, der sich seines göttlichen Ursprungs bewußt wird (-> All-Einheit alles Seienden).

 

[spirituell-religiös orientierte Esoterik]

Deren Verteter (z.B. Rosenkreuzer, Theosophie, Anthroposophie,.....) neigen in Bezug auf ihr Wirklichkeitsverständnis dazu, das Geistig-Göttliche im Sinne eines pantheistischen Weltbildes aufzufassen:  Vertraue dem Kosmos - er ist Energie - Alles ist Energie. Diese Denkweise wird meist von der Annahme getragen, dass sich der geitige Kern des Menschen imLaufe mehrerer (Re-)Inkarnationen in der grobstofflichen Welt höher entwickeln kann.

 

[praktisch orientierte Esoterik]

Sie animiert aufgrund ihres intiutiven Erkenntnisoptimismus in der medizinischen und psychologischen Lebenshilfe zu Diagnosen und Therapien, die angeblich wirksamer sind als wissenschaftlich erprobte Verfahren. Die Ansicht , dass für den Esoteriker die subjektive Erfahrung als Beweis gilt, führt dabei zu subjektiver Willkür, fördert Leichtgläubigkeit und immunisiert gegen Kritik. Nach Steiner kennt die Gegenwartsesoterik keine Grundlagen für eine argumentative Verständigung über ethische Normen, sondern nur den subjektiven 'ethischen Individualismus', der dem individuellen Entwicklusstand (Karma) entspricht.(6)

 

[Hamlet - Argument]
 
Ein Standardargument in Diskussionen mit Esoterikern/Parawissenschaftlern ist das Shakespearezitat aus Hanlet (Akt 1, Szene 5): "Es gibt mehr DIng im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio". Mit diesem Zitat möchte man gern die Grenzen der Beweisbarkeit aufzeigen nach dem Grundastz: Ich weiss zwar nichts, aber ich weiss mehr als der Wissenschaftler. Eine Art Grundprinzip des Esoterik- und Psychomarktes. Wer mehr weiss als andere, der kann sein [Geheim-] Wissen besonders gut verkaufen.
Doch ist Hamlet bereit, dem Geist zu glauben? Nein! Erst nach Überprüfung der Vermutung durch das Verhalten des Königs ist Hamlet bereit zu handeln. "Die Vermutung ist falsifizierbar und kommunizierbar, in der Kommunizierbarkeit, nämlich dem Verhalten des Königspaares des Königspaares vor der Hoföffentlichkeit, liegt gerade der Test. Hamlet ist also kein Garant für die Exitenz von Paraphänomenen, sondern im Gegenteil das Urbild des skeptischen Wissenschaftlers; als echter Skeptiker sucht Hamlet die Ursache zuerst bei sich, bei seiner Schwachheit und Melancholie".(8)
 

 

 

Quellen

(1) Hartmut Zinser: Esoterik-eine Einführung, Fink Verlag München 2009
(2) vgl. Claudia Barth: Über alles in der Welt - Esoterik als Leitkultur, Alibriverlag 2006, S. 193 ff.
(3) vgl. Ben-Alexander Bohnke: Esoterik - Die Welt des Geheimen, Gondrom-Verlag 1996, S. 218 ff.
(4) vgl. Claudia Barth, Esoterik-die Suche nach dem Selbst, transcript Verlag 2012, S.61 ff.
(5) Caspar, F. (2014). Esoterisch. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (16. Aufl., S. 497). Bern: Verlag Hans Huber.
(6) vgl. Lexikon neureligiöser Bewegungen, esoterischer Gruppen und alternativer Lebenshilfen, Verlag Herder GmbH, Freiburg 2005, S.63 ff.
(7) Colin Goldner,Die Psychoszene, Alibri-Verlag Aschaffenburg
(8) Martin Lambeck, Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik, Verlag C.H. Beck 2003, S. 116

Weiterführende Informationen

Synonyme / Analogien: Spiritualität, Okkultismus, ganzheitlich, alternative Heilung, nach innen gerichtet, Lebenshilfe mit "ganzheitlichem" Ansatz

Weitere Informationen:  Kulturkritik.net, Brennpunkt Esoterik

katalog Esoterik-Kritik


Externe Links :

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